//gelber tiger streift raum// AugenOhrenGaumenFreuden, 2007
Monika B. Beyer, Lilian von Haußen, Reinhart Hammerschmidt,Christoph Ogiermann,
Tim Schomacker, Michael Göttle
eine Inszenierung für Film, Raumklang und Publikumsgaumen
Die Idee war Literatur einmal anders in Bild und Klang zu übersetzen, als bislang üblich, war der Ausgangspunkt einer gemeinsamen feinsinnigen Forschungsarbeit.
Textgrundlage waren die Arbeiten von Jorge Luis Borges, der als Gralshüter der modernen lateinamerikanischen Literatur, das Surreale mit dem Alltäglichen zusammenbrachte. Übervoll an literarischen Anspielungen, bibliophilen Täuschungen und philosophischen Verweisen, sind seine Texte vor allem eines: die gezielte Verweigerungen des Geschichtenerzählens.
Im gemeinsamen Fokus stand nicht die szenische Umsetzung wie üblich, sondern den inneren Aufbau einzelner Erzählungen, die Struktur und die literarische Vorgehensweise von Borges aufzugreifen. Daran entwickelten wir parallel, aber nicht 1:1, vier Teile dieser Inszenierung: Stimmungen schaffen, die beginnen eine Geschichte zu erzählen, sich steigern und ins Leere laufen, das Aneinanderreihen von Ereignissen und geheimen Vorgängen, welche scheinbar nichts miteinander zu tun haben, sich in sich selber gründen. Und vor allem aber: Klang nicht als gewohnte Lautuntermalung zum Filmbild und Filmbild nicht als Bebilderung des Klanges.
Filmische Sequenzen auf zwei Leinwänden, welche miteinander in Interaktion traten.
Christoph Ogiermann schuf die Komposition und führte Klangregie. In seiner ihm eigenen Art, zur elektronisch eingespielten Komposition sekundengenau live zu tönen und performen und "Zeugs" zum Klingen zu bringen. Gemeinsam mit den Musikerkollegen Lilian von Haußen und Reinhart Hammerschmidt ist das vorzüglich gelungen. Tim Schomacker, als Vertreter der Sprachkunst griff mathematisch geometrische Formen von Borges Texten und Verweisen auf, würfelte mögliche Textpassagen und kommunizierte mit seiner über Band eingespielten Stimme selber.
Zwischen den 4 einzelnen Teilen der AugenOhrenFreuden wurden dem Publikum GaumenFreuden vom Kochkünstler Michael Göttle serviert.
Gelb als letzte Farbe, die J.L.Borges gegen die unscharfen Grauschattierungen seiner beginnenden Blindenwelt noch klar wahrnehmen konnte. Der Tiger, das Labyrinth, die zyklische Zeit, das EINE, von allen Seiten gleichzeitig sich Zeigende und dieses EINE nicht Benennbare…